können zusammen oder auch einzeln nach vorn geklappt werden, um entweder eine einzige sehr breite und lange oder eine gleichlange aber nur halb so breite Lade- fläche zu schaffen. Abgesehen davon, wenn man mit fünf Personen reist (denen immer noch ein Gepäckraum wie der einer gro- ssen Limousine zur Verfügung steht), kön- nen dadurch im Beta HPE 2 Personen Platz finden und haben soviel Platz, wie man sich nur wünschen kann, für Koffer, sperrige Gepäckstücke, Schi und sonstige Sportausrüstungen; sogar ein Aussenbord- motor samt Zubehör kann verstaut werden. Auch wenn man zu dritt reist, steht immer noch eine zusätzliche Ladefläche zur Ver- fügung. Und das ist noch nicht alles: Durch entsprechendes Umklappen der Sitze ist es möglich, eine doppelte Camping- matratze auszubreiten. Andere Ausstattungs- und Zubehörteile stammen von der Beta Limousine und vom Beta Coupé, und zwar gemäss der üblichen Lancia-Qualitätsverarbeitung. Die Heck- scheibe ist mit einem Wischer und einer zur Reinigung der Scheibe leicht entfern- baren Jalousie versehen. Weiterhin befin- det sich unterhalb der Heckscheibe ein Rollvorhang, der entweder über das Ge- päck oder über die Heckscheibe gespannt werden kann. Dies alles sind Finessen, die nicht nur dazu gedacht sind, um den zweckmässigen Gebrauch und die Versa- tilität des HPE zu erweitern, sondern um auch jene vielfache Bestimmung zu ge- rechtfertigen, die unserer Meinung nach in der gegenwärtigen Weltproduktion nicht ihresgleichen findet. Das ist der neue Beta HPE, ein Automobil mit einer Physiognomie und einer genauen Plazierung auf dem Weltmarkt, eine Luxus- Limousine von äusserst sportlichem Aus- sehen, die gleichzeitig eine besondere Ak- tualität, ein neues Verhältnis zwischen Maschine und Mensch verwirklicht. FORTSETZUNG DER «GESCHICHTE DER LANCIA» DER FLAVIA, DER ERSTE LANCIA MIT FRONTANTRIEB Die Flavia-Limousine wurde auf der Turiner Auto- mobilausstellung i960 offiziell vorgestellt. Und wie bei vielen anderen Lancia-Modellen der Vergan- genheit (das haben wir in den vorhergehenden Ka- piteln gesehen), stellte seine äusserst fortschrittliche Technik eine grosse Überraschung dar. Der Flavia war der erste italienische Wagen. — und einer der ersten der Welt —. mit einigen wahrhaft fortschritt- lichen Lösungen: Vierzylinder-Boxermotor, Front- antrieb. Scheibenbremsen. Er stellte die Synthese der Idealitäten und Erfahrungen des Professors An- tonio Fessia, Förderer des Frontantriebs und des Boxermotors, dar. Wir bringen hier das wierder. was Prof. Fessia über den Flavia schrieb, als er das Grundkonzept erläu- terte: Hauptprinzipien: a) Frontantrieb mit Antriebs- wellen, die mit doppelten, axial auf Kugeln gleiten- den homokinetischen Gelenken versehen sind; b) besondere Lösungen für die Achsen und die entspre- chenden Radaufhängungen; c) äusserst robuste. — — wenn auch relativ schwere —, Struktur der tra- genden mechanischenOrgane,des Fahrschemels und des Aufbaugerippes; d) Antriebsgruppe in einem aussergewöhnlich leichten Block; e) geringe Längs- und Vertikalabmessungen des Motors; f) Zweikreis- Scheibenbremsanlage mit Bremskraftverstärker; g) übergross bemessene Bereifung und besondere Ent- wicklung der Organe des Wagens, damit er trotz ihrer Steifheit einen Reifentyp mit walkender tangen- tialer Verformung vertragen kann; h) aussergewöhn- liche Wirtschaftlichkeit im Betrieb und in der War- tung. Der nicht mehr unter uns weilende Techniker fuhr fort: Die Bedingungen der Lastenverteilung, um dem Wagen mit Frontantrieb dasselbe Haftvermögen des Wagens mit Hinterradantrieb zu geben, sind bekannt. Es ist jedenfalls angebracht, darauf aufmerksam zu machen, dass die Reduzierung der metazentrischen Höhe, sei es auf der Längs- als auch auf der Quer- ebene, für die Stabilität des Frontantrieblers von grosser Wichtigkeit ist. Der vom Boxermotor in dieser Hinsicht gebotene Vorteil liess die Wahl auf ihn fallen. Der Frontantrieb ist verlockend wegen seiner Vorteile, verlangt aber andererseits mehr Ri- gorosität bei der Verwirklichung, und zwar. a) bei der Verteilung der Lasten; und dies nicht nur weil er die Lage des Schwerpunktes beeinflusst, sondern haupt- sächlich wegen der Werte der grundlegenden Träg- heitshalbmesser; b) bei den geometrischen und ela- stischen Merkmalen der Radaufhängungen, der Len- kung usw. Nur so kann das Auftreten scheinbarer Instabilitäts- verhältnisse beim Unterbrechen der Zugkraft ver- mieden werden. Was die Radaufhängungen anbelangt, ist hervorzu- heben: erstens, dass die praktischen Erfahrungen die Resultate der theoretischen Versuche bestätigt haben, laut denen die Lösung der einzeln auf- gehängten Vorderräder und der hinteren Starrachse dem Wagen mit Frontantrieb eine grössere Seiten- stabilität verleiht, als die Lösung der vier einzeln aufgehängten Räder; zweitens, dass die gesamte Aufhängung entwickelt worden ist, um Blattfedern als elastische Elemente zu verwenden, denn nur diese geben die Möglichkeit, automatisch einen ge- wissen Reibwert in den Aufhängungen zu haben. Auf Grund der Grösse und der Leistungen des Wagens, — bezüglich Geschwindigkeit und Kurvenverhal- ten — ist die quer zur Fahrtrichtung eingebaute vor- dere Blattfeder jeglicher von der Strasse über die Aufhängung kommender Belastung enthoben und erfüllt ausschliesslich die Aufgabe eines elastischen Elementes. Die Karosserie ist ausschliesslich unter dem Gesichts- punkt der Zweckmässigkeit und der Stabilität des Modelles entwickelt worden. Sie ist gekennzeichnet durch den Wegfall von Kanten und überflüssigen Verzierungen. Das Resultat wurde allein durch die Einfachheit der Verwirklichung und unter Verwen- dung zeitbeständigen Materials erreicht. Das ist, im Geiste seines Schöpfers, die Philosophie des Flavia, der einen grundlegenden Abschnitt in der Geschichte der Lancia darstellt, denn an ihm wurde die Entscheidung verwirklicht, zum Frontan- trieb überzugehen. In jenen Jahren stellte dies eine Mutprobe dar. Hier eine kurze Zusammenfassung der Hauptmerk- maledesFlavia. Vierzylinder-Boxermotor; 1500ccm Bohrung x Hub 82 x 71 mm; Verdichtungsverhältnis 8,3:1; Höchstleistung 78 CUNA-PS bei 5200 U/min; max. Drehmoment 11,3 mkg bei 3500 U/min. Zylin- derköpfe (einer je Seite für je zwei Zylinder) aus Aluminiumlegierung mit eingesetzten Ventilsitzen. Motor ebenfalls aus Leichtmetall mit austauschbaren nassen Zylinderlaufbüchsen aus Chromguss. Drei- fach gelagerte und ausgewuchtete Kurbelwelle. Kol- ben aus Aluminiumlegierung mit eingegossenem Stahlringstreifen, zwei Verdichtungsringen (davon einer verchromt) und einem ölabstreifring. Kraftstoffzufuhr mittels elektrischer Bendix-Förder- pumpe. Kraftstoffbehälter mit einem Fassungsver- mögen von 48 1. Zweistufen-Fallstromvergaser, Typ Weber 32 DC Hl oder Solex C 32 PAIA 3; Zu- schaltung der zweiten Stufe durch Unterdruck. Druckumlaufschmierung mittels Rotorenpumpe und Überdruckventil; ölfilter im Hauptstrom. Hängend angeordnete Ventile, die über Stössel- stangen und Kipphebel von zwei im Kurbelgehäuse gelagerten Nockenwellen gesteuert wurden. Nockenwellenantrieb über Steuerkette mit mechani- scher Spannvorrichtung und hydraulischem Dämp- fer. Einscheiben-Trockenkupplung. Die elastische Nabe der Kupplungsscheibe war ein Lancia-Patent. Wechselgetriebe mit immer im Eingriff befindlicher Schrägverzahnung. Untersetzung im ersten 3,947, im zweiten 2,331, im dritten 1,642, im vierten 1:1, im Rückwärtsgang 4,398. Lenkradschaltung. Kegel- und Tellerrad-Typ Gleason-Hypoid mit einer Unter- setzung von 4,1:1 (10/41). Wechsel- und Ausgleich- getriebe in einem einzigen Gehäuse aus Aluminium- legierung. und durch das Kupplungsgehäuse mit dem Motor verbunden. Das Ausgleichgetriebeöl wurde durch eine Pumpe auf konstantem Niveau gehalten. Vorn Einzelradaufhängung an Querlenkertrapezen; in der Mitte befestigte Querblattfeder mit Gummi- elementen an den Enden; hydraulische Teleskop- Stossdämpfer, Typ De Carbon; Stabilisator und Gummipuffer. Alle Organe der Vorderradaufhän- gung waren am Fahrschemel befestigt. Hinten star- res Achsrohr; Längsblattfedern, deren Enden mittels Silentblöcken am Aufbau angelenkt bzw. befestigt waren; hydraulische Teleskop-Stossdämpfer; Stabi- lisator, Achsstrebe und Gummipuffer. Hydraulische Vierrad-Scheibenbremse mit Unter- druck-Bremskraftverstärker, Zweikreissystem, hy- draulische Pedalbetätigung. Auf die Hinterräder wir- kende Handbremse. Bremsscheibendurchmesser vorn und hinten 280 mm. Schnecken- und Rollen- lenkung. Untersetzungsverhältnis 18,2:1. Befe- stigung am Fahrschemel. Breitbettfelgen 4 V2 J x 15; Reifen 165-15. Hier die Abmessungen der Flavia Limousine: Rad- stand 2650 mm. Spurweite vorn 1300 mm, Spurweite hinten 1280 mm, grösste Länge 4580 mm. Breite 1610 mm, Höhe 1510 mm. kleinste Bodenfreiheit (belastet) 135 mm. Gewicht, fahrbereit 1190 kg. Höchstgeschwindigkeit 148 km/h. Steigvermögen im 1. Gang 28%. Normverbrauch auf 100 km 9.9 Liter. Die Karosserie der viertürigen Limousine war ein selbsttragender Stahlaufbau mit sechs Sitzplätzen, an dem die mechanischen Gruppen durch Einfügung von Gummipuffern befestigt waren, um eine Über- tragung von -Geräuschen und Vibrationen aus- zuschalten. Die sorgfältig verarbeitete Innenausstat- tung gab dem Flavia ein besonders vornehmes Ge- präge. Der Komfort und die Geräuscharmut bei der Fahrt waren sprichwörtlich geworden. Als Wagen der mittleren Hubraumklasse, jedoch mit überdurchschnittlich bemessenem Fahrgastraum, der leicht zu fahren war und dank seiner Stabilität sicher auf der Strasse lag. der keine verschneiten oder vereisten Fahrbahnen fürchtete, weil der Front- antrieb, — der für viele italienische Fahrer eine grosse und angenehme Überraschung darstellte —, ihn gefahrlos vorwärtszog, der äusserst robust war und einen mässigen Verbrauch aufwies, gefiel der Flavia sehr der Lancia-Kundschaft, obwohl ihm eine gewisse «Trägheit» zugeschrieben wurde, die aber gerechtfertigt war, wenn man bedenkt, dass er in der ersten 1,5 Liter-Serie ein relativ bescheidenes Ver- hältnis zwischen Gewicht und Leistung aufwies, und zwar 15,5 kg pro PS. In Wirklichkeit wollte Prof. Fessia dem Wagen in erster Linie die grösstmögliche Zuverlässigkeit und Sicherheit durch die Überdi- mensionerung der einzelnen Bestandteile verleihen (und auch in diesem war er ein Bahnbrecher). Es war daher unvermeidbar, dass das Gewicht trotz reichlicher Verwendung von Leichtmetallen in der Motor-Getriebe-Gruppe einen ziemlich hohen Wert erreichte. Das 1962 herausgekommene Coupé wies hingegen bedeutend bessere Fahrleistungen auf. Seine Karos- serie, — die viele Jahre hindurch ein Beispiel stilisti- scher Reinheit und harmonischer Proportionen dar- stellte —, wurde von Pininfarina entworfen und ge- baut. Das Coupé hatte gegenüber der Limousine einen um 17 Zentimeter kürzeren Radstand, wog bei voller Belastung etwa 200 Kilo weniger und seine Motor- leistung wurde auf 90 PS bei 5800 U/min gesteigert. Auch die Untersetzungsverhältnisse der Kraftüber- tragung erfuhren eine Änderung, so dass die Höchst- geschwindigkeit auf 171 Stundenkilometer stieg. 1962 kam auch die Cabrio-Version heraus, deren vierplätzige Karosserie von Vignale gebaut wurde. Auf Grund des Erfolges der Flavia-Versionen und der steigenden Nachfrage des Marktes nach grö- sseren Hubräumen, wurde ab 1963 der 1800er Mo- tor eingebaut (Bohrung x Hub 88 x 74 mm), dessen Höchstleistung 86 PS bei 5500 U/min betrug. Sein bestes Drehmoment (14,6 mkg) erreichte er bei 3000 Umdrehungen. Das Verdichtungsverhältnis war auf 9:1 erhöht worden. Links neben dem Wasserkühler fand ein Ölkühler Platz. Das Getriebe erhielt andere Abstufungen. Die Höchstgeschwindigkeit der Limou- sine stieg auf 160 km/h und die des Coupés und des Cabrios auf 173 km/h. Kurz darauf wurde die von Zagato karossierte Sport-Version vorgestellt, deren 1800er Motor 95 PS bei 5800 U/min leistete. Der leichtere und schnittigere Flavia Sport erreichte 180 km/h. In jener Zeit verstärkte sich die Teilnahme der Lan- cia an den Rennen und eine eigene Rennmannschaft wurde gebildet. Die an den Wettbewerben teilneh- menden Wagen erhielten das berühmt gewordene Zeichen «HF». Die Flavia HF konnten eine lange Reihe Siege in nationalen und internationalen Rallyes sowie in Geschwindigkeitsrennen für sich buchen. Sie gewannen in ihrer Kategorie zahlreiche italieni- sche Meisterschaften. Und 1965 gab eine weitere sehr wichtige technische Neuheit ihren Beitrag dazu, um die 1800er Flavia- Modelle noch weiter aufzuwerten. Es handelte sich um die mechanische Benzineinspritzung Typ Kugel- fischer. die die Motorleistung um 10 Prozent (102 CUNA-PS bei 5800 U/min) und auch den Wert des max. Drehmomentes (15,6) erhöhte, was folglich zu einem besseren Beschleunigungsvermögen und einer grösseren Spurtkraft führte. Ausserdem war gegen- über den Versionen mit Vergaser eine Kraftstoffein- sparung von 10 Prozent zu verzeichnen. Die Höchst- geschwindigkeit der Flavia-Versionen mit Einspritz- motor war ebenfalls gestiegen. Die Limousine erreichte 168 km/h. das Coupé und das Cabrio 180 und der Sport 188. Die Benzineinspritzung stellte eine Alternative zum Vergaser dar. 1967 wurde dann die Karosserie des Flavia vollkom- men neu gezeichnet. Sie erhielt nicht nur eine neue Linie, sondern auch ein anderes Interieur, was zu besseren Sichtverhältnissen und zu grösserem Kom- fort führte. Unter anderem wurde die vordere Sitz- bank durch zwei Einzelsitze und die Lenkradschal- tung durch eine Mittelschaltung ersetzt. Das bessere Durchdringungsvermögen der Linie ermöglichte auch eine leichte Erhöhung der Höchstgeschwindig- keit. die bei der Version mit Vergaser 165 und bei der Version mit Einspritzung 170 km/h betrug. 1962: DAS NEUE WERK CHIVASSO Die teilweise Dezentralisation des nicht mehr aus- reichenden Turiner Lancia-Werkes im Borgo San Paolo und der Bau neuer Anlagen war in der Mitte der fünfziger Jahre hinsichtlich der Program- me der Produktionsentwicklung beschlossen wor- den. Die endgültige Wahl fiel auf das neben der Ortschaft Chivasso gelegene Gelände längs der Autobahn Turin-Mailand. Nach Fertigstellung des Entwurfes und dem Kauf des Grundstückes (1.225.350 qm) fand die Grundsteinlegung an einem kalten Vormittag Ende Dezember 1959 statt. Dreissig Monate später, am 15. Juni 1962. liefen die ersten Flavia-Limousinen, die vorher in Turin gebaut wur- den, von den Montagelinien. Das Werk Chivasso, das in den darauffolgenden Jahren eine laufende Erweiterung der Anlagen und all die vom normalen Fortschritt der Systeme der industriellen Produktion verlangten technologischen Verbesserungen erfahren hatte, war in seiner Funk- tion für das Stanzen und Pressen der Bleche, den Zusammenbau der Rohkarossen, das Lackieren der Aufbauten, die Fertigmontage der Karosserien, das Finish und der Endabnahme und Prüfung der Wagen auf einer im Werksgelände befindlichen Prüfstrecke vorgesehen. Die mechanischen Gruppen wurden weiterhin im Turiner Werk gebaut. Anfangs bestand das Werk aus zwei grossen, parallel gelegenen. 448 Meter langen und 72 Meter breiten Hallen. Zwischen den beiden Hallen war das gleich- lange Gebäude für die allgemeinen und sozialen Ein- richtungen errichtet worden. An der Nordseite, und zwar am Kopf der beiden Hauptwerkstätten hatte die Lackiererei ihren Platz gefunden. Die erste der beiden grossen Hallen enthielt das grosse Presswerk mit zwei Linien grosser Pressen und einer dritten Linie mittlerer und kleiner Pressen. Alle waren mit Transporteinrichtungen versehen. Im Kellerge- schoss befand sich die Anlage zur Sammlung, zum Paketieren und Abtransport der Blechabfalle. Die im Presswerk gestanzten Bleche gingen zu einem Lager und von dort zur Abteilung, in der die Blech- gruppen und Rohaufbauten zusammengebaut wur- den. Die im Rohbau gefertigten Aufbauten wur- den auf Transportbändern revisionert, geprüft und nachbearbeitet. Ein Schwebekettenförderer brachte dann die fertigen Rohkarossen in die Lackiererei, und dort durch den Phosphatierungstunnel zu einer Tauchwanne mit Haftgrundmittel. Danach erfolgie die Auftragung der Füllerschicht und der beiden Lackschichten. Nach jeder Beschich- tung erfolgte der Durchlauf durch einen Trocken- ofen. Ein Schwebekettenförderer brachte die Karosserien anschliessend zu den Linien der Fertigmontage, wo der Einbau der mechanischen Gruppen, der Fenster- scheiben, der Räder, der elektrischen Anlage, der Innenverkleidungen (die in einer besonderen Abtei- lung vorbereitet wurden) und des Zubehörs stattfand. Nach erfolgter Fertigmontage, — und nach der Ein- stellung der Scheinwerfer und der Kontrolle der Vor- und Nachspur —, gingen die Wagen zur doppelten Probefahrt, und zwar auf die Prüfstrecke und auf die Strasse. Anschliessend erfolgte das Finish und die Behebung der von den Testfahrern festgestellten Mängel. Von hier aus wurden sie zur südlich der Montagehallen gelegenen Abstellhalle gebracht. Dies war die organisatorische Arbeitseinteilung im Werk Chivasso, die im Moment der Inbetriebnahme als ein Beispiel der Modernität und der Wirtschaft- lichkeit angesehen wurde. Dank laufender Investie- rungen in Maschinen, Anlagen und Arbeitsmittel ist diese Prärogative auch danach erhalten geblieben. Das Werk Chivasso, das sich an die vorhandenen Werke Turin und Bozen reihte, hat in der Entwick- lung der Lancia eine wichtige Etappe dargestellt, denn es hat der Firma eine neue industrielle Dimen- sion gegeben, durch die die Voraussetzungen für die künftigen produktiven Entwicklungen geschaffen wurden. Es ist wichtig zu unterstreichen, dass bereits beim Entwurf der Anlagen in erster Linie die Not- wendigkeit berücksichtigt wurde, das hohe qualita- tive Niveau des Produktes —, eine traditionelle Prä- rogative der Lancia —, beizubehalten, um somit die Tradition des Hauses mit den Erfordernissen der in- dustriellen Ausdehnung und den neuen Systemen Autos zu bauen miteinander in Einklang zu bringen. DAS PHÄNOMEN FULVIA In der Geschichte der Lancia und seiner Modelle gebührt dem Fulvia ein besonderer Platz. Dieser Wagen mit seiner aussergewöhnlichen Vitalität hat nicht nur einer langen Serie glänzender Versionen den Ursprung gegeben und hat nicht nur seinen Namen mit einer unendlichen Folge sportlicher Be- hauptungen verbunden, sondern ist auch das Modell gewesen, von dem die grösste Anzahl Exemplare in den ersten fünfundsechzig Jahren des Bestehens der Lancia hergestellt worden ist. Die Vorstellung der ersten Fulvia-Limousine, die den nie vergessenen Appia in der unteren mittleren Hub- raumklasse ablöste, fand im Frühjahr 1963 statt. Mit Ausnahme des Motors, — wie wir anschliessend se- hen werden —, und der Abmessungen, war seine strukturelle Auslegung eine Nachbildung des Fla- via, da die Lancia sich mit Entschlossenheit dem Vorderradantrieb verschrieben hatte, dergerade beim Flavia grossen Erfolg erntete. Von diesem hatte der neue «kleine» Lancia das mechanische Schema übernommen. Dies betraf den Typ der Radaufhän- gungen, die Lage des Motors und des Getriebes, und die Bremsanlage. Bei selbstverständlich kürzerem Radstand (2480 mm) hatte er die vordere Spurweite von 1300 mm und die hintere von 1280 mm eben- falls vom Flavia übernommen. Dadurch konnten zahlreiche Teile, wie die homokinetischen Gelenke und die Radantriebswellen sowie die Hinterachse, vereinheitlicht werden. Der Motor war hingegen, — obwohl er die Lancia- Tradition beibehielt —, eine vollkommene Neukon-